Luxemburg scheint. Dieses Wetter wäre gestern auch schön gewesen. Zum Aufwachen läuft schon Olympia, in diesem Zimmer sogar aus der Dusche sichtbar. Auf dem Weg zu unserer nächsten Destination überlegen wir, was wir dort oder unterwegs noch erleben könnten. Mein Nachbar siniert über ein „Lavendelfeld“. „Was willste denn im Lavendelfeld?“ Frage ich. Scheinbar zu viel französische Luft eingeatmet. Eine Weintour durch das Elsass wird auch noch vorgeschlagen. Naja, einen Fahrer hätte er.
Wir haben uns für die Mautstrecke entscheiden, um Zeit zu sparen. An der Station frage ich mich, wie das britische Auto vor uns den Bezahlvorgang wohl ohne Beifahrer durchgeführt hätte.
Noch nie waren wir im Elsass. Die Regionsverbundenheit springt uns an jeder Ecke entgegen, wo die Besonderheit dieses Landstriches hervorgehoben wird. Wir erreichen Strassburg zügig und unkompliziert, das Hotel in Fußnähe zur Altstadt. Ich hatte mir vorab wenig Gedanken über das gemacht, was uns erwarten könnte. Doch ich bin überrascht von der Geschichtsträchtigkeit der Stadt. Es ist deutlich trubeliger als in Luxemburg. An den Hotspots der Stadt tummeln sich die Touristen, obgleich wir das in anderen Kulturmagneten noch deutlich anstrengender erlebt haben.Wie Schleier von den Augen fällt uns natürlich ein, was wir essen werden: Elsässer Flammkuchen. Auf die Hand.

Wir hatten uns bereits vorab für eine Stadterkundung auf dem Wasser entschieden und stehen nun bei praller Sonne am Bootssteg. Natürlich werden von fliegenden Händlern wetterkompatibel Sonnenhüte verkauft. In einem Geschäft um die Ecke sehe ich weitere Ausstattung für jegliche Wetterumschwünge, die dann den Touristen angeboten werden. Regenschirme, Ponchos. Wir verzichten. Zum Einen hat ein Mitreisender passenderweise eine Kopfbedeckung dabei, zum anderen bastele ich aus unserem Stoffbeutel eine Mütze, die zumindest für einen von uns ihren Zweck erfüllt. Es geht durch den Kanal. Jede Durchfahrt einer Brücke wird mit Aufatmen begleitet, verschafft sie einem doch kurz Abkühlung. Die Passanten winken uns zu. Gespannt wird beobachtet, wie das Schiff durch die Schleuse manövriert. Oder auch eine Brücke für uns einfach zur Seite gedreht wird.

Die Epochen zeichnen sich in den verschiedenen Gebäudekomplexen ab. Der europäische Gedanke wird auch in dieser Stadt wieder sehr deutlich. Uns entstehen Ideen, welche Stadtteile wir noch erkunden möchten. Großes Kopfschütteln verschaffen den Fahrgästen und Bootsführern zwei Kinder, die unbedarft, aber lebensgefährlich im Kanal baden. Rechtzeitig sichtbar waren sie definitiv nicht, zum Glück jedoch neben der Fahrrinne. Nach 75 Minuten ist die Fahrt beendet und wir suchen Schatten unter Pappeln.

Die Besucherschlange vor der Kathedrale Notre Dame hat sich deutlich reduziert. Wir verschwinden in die kirchliche Pracht, in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Zwar wiederholen sich solche Kulturgüter von Stadt zu Stadt, jedoch würde mich irgendwie ein schlechtes Gewissen beschleichen, wenn wir nicht eintreten würden. Ich stelle mir dann ein Gespräch in zehn Jahren vor. „Ach, ihr ward in Strassburg. Schön die Kathedrale von innen, oder?“ Und wenn ich mir vorstelle, dass ich dann sagen müsste, dass wir der Kirche keinen Besuch abgestattet hätten, obwohl es DIE Attraktion ist, dann sehe ich schon jetzt das erstaunte Gegenüber.

Wieder draußen fällt uns zum ersten Mal auf, welche Militärpräsenz in der Stadt unterwegs ist. Der Weg zurück führt durch noch unbekannte Gassen. Bewusst an einem Supermarkt vorbei, um für das Abendbrot einzukaufen. Heute wird gekocht.
Und ein Ritual gepflegt. Jeden Sommer haben wir als Familie eine Fernsehserie, die wir gemeinsam schauen. Letztes Jahr war es „Die Nanny„, dieses Jahr amüsiert uns „Monk„. Nicht ohne Verweis auf die ein oder andere Marotte unserer Reisegruppe.
Wort des Tages: „Stulle“ (Angebot im Frühstückscafé am Morgen, sonst nur bekannt als familieninterner Ausdruck)
Tageskilometer: 210 km